Mittwoch, 20. April 2016

Materialkunde: DRUCKPERLEN

Für Druckperlen wird das geschmolzenes Glas in Formen gepresst (pressed beads), genau gesagt wird mit den Formen die Perle aus dem heißen Glas heraus gestanzt. Wie man sich das in der Praxis vorstellen muss, zeige ich Ihnen u.a. hier in diesem Kapitel.

Druckperlen gibt es in einer endlosen Vielfalt, alles ist möglich, für jede Gestalt ist heute eine Form herstellbar. Alles kann als Perle produziert werden und wenn man genug Menge kaufen könnte, wäre es kein Problem eine eigene Perle in Auftrag zu geben - wenn es nicht ohnedies schon alles gibt was einem je einfallen würde. In Jahrhunderten böhmischer Glastradition ist schon eine ganze Menge einmal dagewesen, das heute nicht jeder kennt :) Für Kleinmengen macht es natürlich kein Hersteller :) .... also schickt mir Eure Spezialwünsche bitte NICHT :)

Die traditionell am häufigsten verwendeten Druckperlen sind Rundperlen (Kugeln), Blüten, Blätter, Tropfen, Würfel, Dagger,  Oliven, Linsen etc. und auch Glasschliffperlen sind Druckperlen - eben solche, die hinterher dann geschliffen werden, maschinell in aller Regel .... die Abkürzung M.C. die man manchmal bei einer Perlenbeschreibung sieht, steht für "machine cut", also maschinell geschliffen.



Glastropfen
 
Rundperlen 


Blätter

Blüten
Dagger/Dolche
Spikes
Einfache Schlaufenhäkelkette aus Saatperlen und gepresstem Obst :)

 
In den letzten Jahren sind unzählige neue Perlen (mit einem oder mehreren Fädellöchern) auf den Markt gekommen, die ebenfalls Druckperlen sind und daher sehr regelmäßig. Beispiele wären SuperDuo, Czechmate Beads (Triangles, Bricks, Tiles, Lentils....), Emma Beads, Spikes, Piggys, Dragon Scale Beads, Rizo, Rulla, O-Beads, Button Beads, Spiky Buttons um nur einige wenige zu nennen.... (eine Ausnahme sind Preciosa Twin beads - hier gibt es Saatperlen - hergestellt ähnlich wie Rocailles - und auch gepresste Varianten).


Button Beads
CzechMate Lentils
CzechMate Quadratile
Dragon Scale Beads
Emma Beads
SuperDuo
Pinch Beads
O-Beads


Wie alle anderen Perlen auch, können Druckperlen mit einer riesigen Auswahl an Oberflächen, Färbungen und Veredelungen ausgestattet werden. Mehr dazu später in einem Artikel über Farben in und auf  Glas.

DIE HERSTELLUNG VON DRUCKPERLEN:

Wie bereits zu Beginn erwähnt, werden Druckperlen aus einem heißen/glühenden Glasstrang maschinell heraus gestanzt.

Dafür werden Glass rods (große Glasstangen, wie man sie auf nachfolgendem Bild sehen kann, ein Meter lang, 2-4 cm dick) in einem Glasofen geschmolzen. Das geschmolzene Glas kommt aus dem Ofen direkt in die Pressmaschine.



Glass rods



Hier ein Beispiel ...diese Maschine stanzt gerade Spikes.

Der glühende Glasstrang kommt beim roten Pfeil herein.

Im Bereich des gelben Pfeils wird die Perle ausgestanzt /gepresst.

Das nun schon ein wenig kühlere Glas (daher nicht mehr so orange glühend) bekommt beim grünen Pfeil einen kleinen Schlag mit, damit der Strang geteilt/abgehackt wird. Es bricht dann in der Regel  nicht mitten in einer Perle sondern an den dünneren Stellen rundherum.

Beim weißen Pfeil fallen die Perlen (samt dem Glas,  das noch drum herum ist ...also mit der "Pressfahne") in den Metallbehälter, wo sie abkühlen.







Bei dieser Gelegenheit fällt schon mal ein Teil des überflüssigen Glases weg. Beim Umschaufeln in passende Siebe ("Filter"), in denen die Perlen dann gerüttelt werden, sodass die nicht benötigten Ränder mehr und mehr wegbrechen und in diesem Fall ein Spike (dann mit weniger überstehendem Glas aber sichtbarem Pressrand....) übrig bleibt.

Die Perlen werden dann mit einem Schleifmittel in einer solchen Trommel ge"tumbled", damit sich die Pressränder abschleifen. Tut mir leid, dass ich das Bild nicht "mittiger" getroffen  habe in meiner Aufregung darüber, dass ich mal zugucken durfte ;-) In größeren Betrieben stehen dafür reihenweise Trommeln ähnlich Betonmischmaschinen. Je nach Form der Perle und nachfolgender Weiterbearbeitung kann das "tumblen" 2 Tage, aber auch 2 Wochen dauern. Matte Perlen sind schneller fertig, Perlen die später z.B. noch facettiert und feuerpoliert werden brauchen weniger Zeit als solche die hier schon glänzend herauskommen müssen. Auch die Größe der Perle spielt eine Rolle dabei, wie lang dieser Prozess dauert.




Danach kommt noch reinigen, trocknen, in große Säcke füllen, verpacken oder die Oberflächen mit Effekten versehen.... die Spikes, die Sie weiter oben in diesem Beitrag gesehen haben, sind z.B. geätzt und danach beschichtet oder teil-beschichtet......


Das hier ist die Sorte die gerade produziert wurde als ich das obige Bild von der Maschine gemacht habe. Bzw. etwas davon, weil fertig wird eine Perle nicht in der kurzen Zeit, die ich dort verbracht habe.






Manchmal müssen wir bei Druckperlen aus unterschiedlichen Gründen mit damit leben, dass man einen Pressrand noch sehen kann. Das ist z.B. hier bei den Zitronen der Fall - man kann sie nicht ewig tumblen, weil sonst die Struktur der Oberfläche, die hier ganz wesentlich für die Wirkung der Perle ist, ebenfalls mit abgeschliffen würde.







In unserem Shop finden Sie eine Auswahl aller häufig verwendeten Druckperlen - kleine Perlen in den Rubriken der einzelnen Sorten und größere in der Kategorie "Druckperlen".

www.glasperlenschatz.at

(c) Heidi Neuwirth
April 2016




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