Montag, 25. April 2016

Materialkunde: CABOCHONS

"Cabochon" ist ein Begriff, der aus dem Edelsteinbereich kommt. Dort ist es die Bezeichnung für einen speziellen Schliff von Edelsteinen, nämlich eine gewölbte glatte Oberseite und eine flache Rückseite. Die Oberfläche/Vorderseite des Steins ist in diesem Fall ganz glatt (also nicht mit Facetten versehen etc.).  Man nennt sie auch Mugel.

In der Perlenkunst wird der Begriff heutzutage für extrem viele Schmucksteine und -teile verwendet  ....egal ob Edelstein, Glas, Holz, Plastik, Fimo oder Metall und egal wie die Oberseite aussieht ....ich möchte fast sagen, dass die meisten heutzutage wahrscheinlich glauben, dass das Wort sich darauf bezieht, dass ein Teil eine flache Unterseite hat. Jede chinesische Plastikblume die man irgendwo raufkleben kann, heißt heute Cabochon. Mich stört es ein wenig, aber man muss wohl damit leben ;-).

Cabochon mit Silbereinschluss (Silberfolie unter transparentem blauen Glas, Rückseite weiss, also insgesamt nicht durchsichtig)

Die Bezeichnung hat jedenfalls grundsätzlich mit der Oberseite zu tun und nicht so sehr mit der  Unterseite, sonst wären wir bei Doppelcabochons, die es ja auch gibt....schon wieder am Ende der Benennungsmöglichkeiten. Doppelcabochons sind auf beiden Seiten gewölt, auf der Unterseite häufig spitz ...für unsere französischen Perlenfreundinnen ist z.B. auch ein Rivoli ein Cabochon. Und ja, das darf, eben weil es nichts mit der flachen Unterseite zu tun hat.

Doppelcabochon

Rivoli (Doppelcabochon)



Cabochons (nicht doppelseitig) kommen in der Perlenkunst besonders häufig beim Sticken (Bead Embroidery) vor. In den letzten Jahren sind auch Sonderformen des klassischen Bead Embroidery sehr populär geworden, zum Beispiel Arbeiten mit Soutachebändern, Shibori-Seide etc.


Embroidery Ohrringe von Alexandra Eibler

Embroidery Armschmuck von Alexandra Eibler


Soutache-Ohrclips von Larissa Novak



 
Da ich einer der größten Fachhändler für handgefertigte Glas-Cabochons (mindestens) in Europa bin,  habe ich eine wahre Unzahl von Gesprächen mit Perlenkünstlerinnen, Händlerkolleginnen und Kundinnen über dieses Thema geführt. Heraus gekommen ist dabei: entweder jemand hasst Bead Embroidery oder jemand liebt es. Dazwischen gibt es anscheinend keine Schattierungen auf der Skala :)


..ein kleiner Ausschitt aus dem Cabochon-Sortiment in meinem Shop - alle handgefertigt


Für alle die Embroidery lieben ist die Welt in Ordnung. Für jene die es hassen, gibt es gute Nachrichten: Man muss nicht sticken um Cabochons einzufassen und zauberhafte Schmuckstücke herzustellen .. man kann auch fädeln ... ganz ohne Stoff und Kleber! Eben wie bei einem Rivoli, den auch kein Mensch irgendwo aufkleben würde und trotzdem wird er in unzähligen Varianten eingefasst und zu herrlichem Schmuck verarbeitet.

In Peyote eingefasster Cabochon als Ring von Silvia Stiedl

Meine große Cabochon-Kette aus der Hand von Silvia Stiedl

Cabochon eingefasst von Silvia Stiedl (CRAW)

Ich werde auf diesem Blog zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit Silvia Stiedl, die mit uns viele Steine in Workshops und außerhalb in Fassung gebracht hat, eine kostenlose Anleitung für das einfache Einfassen von Cabochons veröffentlichen.


Zum Thema Bead Embroidery, Soutache etc. bieten wir immer wieder Workshops für unsere Kundinnen an, wo man in geselliger Runde die Grundtechnik erlernen kann. Wenn man die entscheidenden Stiche beherrscht, kann man sich an jedes Projekt in jeder Größe heranwagen, immer mit der eigenen Kreativität und ganz frei, ohne an eine Anleitung gebunden zu sein. So entstehen kostbare Unikate. Mal klein wie bei den obigen Beispielen, mal opulent zu einem edlen schlichten Ballkleid wie Alexandra Eiblers "50 Shades of blue". Alexandra leitet für gewöhnlich unsere Embroidery Workshops.







Für alle jene, die nicht so einfach mal zu einem Kurs rüberkommen können oder die in ihrer Nähe kein Kursangebot haben, empfehle ich folgende Bücher:

Im März 2016 ist bei Creanon ein wunderbares Embroidery-Technikbuch von Jamie Cloud Eakin und Claudia Schumann in deutscher Sprache erschienen. Es ist auch in unserem Shop erhältlich, weil eben Cabochons bei uns eine so große Rolle spielen.






Bezüglich Soutache empfehle ich das Buch von Anneta Valious, das 2013 bei Lark Jewelry Books (in englischer Sprache) erschienen ist. Zu bekommen beim bekannten "großen Onlinebuchhändler".

Links:
Blog von Alexandra Eibler wo es viele weitere gestickte Schmuckobjekte zu bewundern gibt - von poppig bis trachtig: http://glasperlenundfilz.blogspot.co.at/search/label/Embroidery



Link zu unserem Shop bezüglich obiges Buch und Cabochons:  http://glasperlenschatz.at/de/cabochons

(c) Heidi Neuwirth
Mai 2016

Donnerstag, 21. April 2016

"Cellini Spirale"

Eines der beliebtesten Projekte, wenn die Infektion mit dem Perlenvirus stattgefunden hat und anfängt von einer Perlöse Besitz zu ergreifen - die "Cellini-Spirale".....und auch - zumindest hier bei mir wo wir Neueinsteiger immer sehr unterstützen -  bei vielen eine erste Erfahrung mit einem Schmuckstück das nicht in Windeseile fertig ist, sondern mal etwas Zeit in Anspruch nimmt - das Ergebnis der Mühe entschädigt für die viele Arbeit ;-)

Alexandra Eibler (http://glasperlenundfilz.blogspot.co.at/)  war im Herbst 2012 so liebenswürdig, uns eine Anleitung dafür zu schreiben als hier gerade ein regelrechter Cellini-Hype los war (damals ausgelöst von herrlichen Cellini-Spiralen die unsere Perlenfreundin Gudrun aus Berlin zu einem Workshopwochenende in Bad Waltersdorf mitgebracht hatte) und wir alle einander nicht so oft gesehen haben, dass man aufs nächste Treffen warten hätte können. Alexandra hat mir erlaubt, diese Anleitung hier zu veröffentlichen, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Copyright an Fotos: Alexandra Eibler


"Das Geheimnis der Cellinispirale"

eine Anleitung von Alexandra Eibler

powered by www.glasperlenschatz.at

  

Grundsätzliches

Eine Cellinispirale wird in schlauchförmigem PEYOTE  gearbeitet - die Grundkenntnisse über Peyote-Technik werden in der Anleitung vorausgesetzt. Am Ende jeder Runde ist ein Aufschritt in die nächste Runde, das heißt, man fädelt durch die erste aufgenommene Perle nochmal nach oben weiter. Die spiralförmige Drehung ergibt sich durch den Musterversatz um jeweils eine Perle pro Runde, verschiedene Perlengrößen heben die Spirale zusätzlich hervor. Für das Beispiel in der Anleitung habe ich 6 Perlensorten in 6 verschiedenen Größen verwendet - Preciosa Rocailles in den Größen 

11/0 (2,1 mm)
10/0 (2,3 mm)
9/0 (2,7 mm)
8/0 (3,1 mm)
7/0 (3,4 mm)
6/0 (4,0 mm)

Die Kette ist ca. 42 cm lang. Ich hatte 50-Gramm-Packungen - bei Größe 6/0 habe ich bis zur letzen Perle alle verbraucht, bei den anderen Größen ist natürlich etwas übrig, weil ja viel mehr Perlen in den 50 Gramm enthalten sind als bei der größten Sorte.

Die Perlengrößen können nach Geschmack variiert werden, erlaubt ist, was gefällt, je größer die Unterschiede umso intensiver zeigt sich die Spirale.


Ich persönlich habe meine Cellini mit guter Fadenspannung und Nylbond gefädelt, einem sehr stabilen, beschichteten Nylonfaden, erhältlich bei den Nähseiden im Handarbeitsgeschäft oder in gut sortierten Perlenläden. So bekommt sie einen festen Körper und fällt nicht in sich zusammen. Nicht erschrecken, anfangs kommt einem vor, dass sie sehr steif ist und sich nicht biegt, das wird mit der Länge aber!



Nachdem am Beginn eines Peyoteschlauches ja Runde eins und zwei in einem gefädelt werden, nimmt man pro sichtbarem Streifen in der fertigen Spirale 2 Perlen auf, das heißt: wenn mein Streifen in der fertigen Kette 2 Perlen breit sein soll muss ich zu Beginn 4 Perlen aufnehmen!
Das Schema zeigt hier den Verlauf. Der Arbeitsfaden kommt NACH einer kompletten Farbgruppe heraus, hier wird nun schon der erste Versatz gearbeitet, alle weiteren ergeben sich automatisch.



Begonnen wird nun mit derselben Farbe wie jener, aus der der Faden kommt, hier Grün. Man sieht, wie sich der Spiralverlauf bereits abzeichnet. Die erste Runde ist immer ein wenig schwierig, hier wirklich GUT aufpassen, dass sich nichts verschiebt oder verdreht, sonst verliert man die Übersicht! Zur Not kann man den Ring auch um den Finger oder einen passenden Stift legen, um die Orientierung einfacher zu machen. MERKE: Der Aufschritt kommt wieder aus der grünen Perle, er wandert mit der Spirale mit, so kann man ihn nie übersehen!




Alle folgenden Runden werden nun gleich gemacht, wie hier zu sehen ist beginnt die Spirale, sich zu bilden, der Aufschritt kommt immer am Ende derselben Farbe hoch, und das ist auch immer die erste Perlenfarbe der nächsten Runde.

Der Abschluss

Ein wenig schwierig, aber hier gilt: Augen zu und durch ! :)
Ich löse es so, dass zuerst die seitlichen Größen abgenommen werden und anschließend die kleinen, die Mittelperle soll noch weiterverlaufen. Am besten nach Optik und Gefühl arbeiten, wenn die seitlichen Perlen weniger werden ergibt sich ganz schnell, wo man weiter abnimmt. Wenn man am Ende angelangt ist einfach noch mehrere Male durch die letzte Runde fädeln und den Faden vernähen. 

Eine gute Lösung zur Schließenbefestigung ist die, dass man einfach eine einzelne größere Glasperle mit einem Stift an die Schließe hängt und diese dann in die Kette steckt bevor man den Spiralschlauch durch Abnahmen weiter schließt. 






So ist die Schließe gut befestigt, kann sich aber mit der Bewegung am Körper drehen, da der Stift in der Perle sich auch dreht und die Kette liegt schön um den Hals. Außerdem liegt keine Belastung auf dem Perlengewebe, was auch von großem Vorteil ist!
Und: FERTIG!


Ich hoffe, ich konnte euch hier ein wenig Einblick in die Cellinitechnik geben. Diese Technik ist frei und natürlich keinem Copyright unterworfen. Trotzdem wäre es nett zu erwähnen, von wem Ihr diese Anleitung bekommen habt. :)

Die Anleitung wurde sorgfältig ausgearbeitet und geprüft, eine Garantie oder Haftung wird nicht übernommen. 

Alles Liebe und viel Fädelspaß!
Xandi